Versauerung der Meere Ursachen und Folgen
Die Ozeane bedecken mehr als zwei Drittel unseres Planeten. Sie wirken unerschütterlich und unendlich groß, sind jedoch empfindliche Systeme, die unter den Folgen menschlicher Aktivitäten leiden. Neben Verschmutzung, Überfischung und Erwärmung ist ein weiteres Problem in den letzten Jahrzehnten in den Fokus der Forschung geraten: die Ozeanversauerung. Doch was bedeutet das genau und welche Folgen hat sie für das marine Leben und den Menschen
Was ist Ozeanversauerung
Die Ozeane nehmen einen großen Teil des vom Menschen verursachten Kohlendioxids aus der Atmosphäre auf. Ohne diese Fähigkeit der Meere würde der Klimawandel deutlich schneller voranschreiten. Allerdings verändert sich durch diese enorme Aufnahme die chemische Zusammensetzung des Meerwassers.
Kohlendioxid reagiert mit Wasser und bildet Kohlensäure. Diese zerfällt in Hydrogencarbonat und Wasserstoffionen. Durch die Zunahme der Wasserstoffionen sinkt der pH-Wert des Wassers. Obwohl die Ozeane weiterhin leicht basisch sind, bedeutet der sinkende pH-Wert, dass sie „saurer“ werden. Seit Beginn der Industrialisierung ist der pH-Wert der Meeresoberfläche bereits um etwa 0,1 Einheiten gesunken von 8,2 auf 8,1. Das klingt wenig, bedeutet aber einen Anstieg des Säuregrades um etwa 30 Prozent. Bis zum Jahr 2100 könnte der pH-Wert um weitere 0,3 bis 0,4 Einheiten sinken, was eine Zunahme des Säuregrades um bis zu 170 Prozent bedeutet.
Die Chemie hinter der Ozeanversauerung
Der entscheidende Punkt liegt im chemischen Gleichgewicht des Meerwassers. Viele marine Organismen wie Muscheln, Schalentiere oder Korallen benötigen Calciumkarbonat, um ihre Schalen oder Skelette zu bilden. Dazu wird Karbonat benötigt. Wenn jedoch immer mehr CO2 aufgenommen wird, reagieren die zusätzlichen Wasserstoffionen mit Karbonat zu Hydrogencarbonat. Dadurch steht weniger Karbonat zur Verfügung, was den Aufbau von stabilen Schalen erschwert. In extremen Fällen können bestehende Kalkschalen sogar aufgelöst werden.
Verlauf und Geschwindigkeit der Veränderungen
Schwankungen im pH-Wert der Ozeane gab es in der Erdgeschichte immer wieder. Der Unterschied zu früher liegt in der Geschwindigkeit. Während natürliche Veränderungen über Millionen von Jahren verliefen, erfolgt die heutige Versauerung innerhalb weniger Jahrzehnte. Studien zeigen, dass etwa die Hälfte der gesamten Versauerung erst nach 1994 aufgetreten ist, parallel zum drastischen Anstieg der CO2-Emissionen.
Auswirkungen auf das marine Leben
Die Ozeanversauerung hat tiefgreifende Folgen für viele Arten. Korallenriffe, die eine enorme Biodiversität beherbergen und Lebensraum für unzählige Fischarten bieten, könnten bis Ende des Jahrhunderts fast vollständig verschwinden.
Die Versauerung wirkt sich auch auf das Verhalten von Fischen aus. Junge Clownfische zum Beispiel verlieren teilweise ihren Geruchssinn und erkennen Feinde nicht mehr rechtzeitig. Auch die Nahrungsketten sind bedroht, da kalkbildende Organismen wie Pteropoden eine wichtige Futterquelle für viele Fischarten darstellen.
Auswirkungen auf den Kohlenstoffkreislauf
Kalkbildende Organismen wie Kalkalgen spielen eine entscheidende Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf. Sie binden Kohlendioxid beim Aufbau ihrer Kalkschalen und transportieren es nach ihrem Tod in die Tiefsee, wo es über Jahrtausende gespeichert wird. Wenn diese Organismen verschwinden, verliert die Natur einen wichtigen CO2-Speicher. Damit könnte sich die Erderwärmung weiter beschleunigen.
Auswirkungen auf den Menschen
Die Veränderungen in den Ozeanen betreffen auch uns direkt. Fischereien werden weniger Fang haben, da viele Fischbestände schrumpfen. Das hat nicht nur wirtschaftliche Konsequenzen, sondern auch soziale, vor allem in Regionen, die stark von Fisch als Proteinquelle abhängig sind.
Darüber hinaus verlieren Küstenregionen durch den Rückgang der Korallenriffe natürlichen Schutz vor Sturmfluten und Erosion. Auch der Tourismussektor ist betroffen, wenn Strände gesperrt werden müssen oder die einst farbenfrohen Korallenriffe ausbleichen und sterben.
Der Ozean reguliert zudem unser Klima, indem er CO2 aufnimmt und Wärme speichert. Doch je mehr CO2 er speichert, desto geringer wird seine Aufnahmekapazität. Ab Mitte dieses Jahrhunderts könnte diese Fähigkeit stark abnehmen, was den Klimawandel weiter beschleunigen würde.
Was kann man tun?
Die einzige wirkungsvolle Maßnahme ist die Reduktion von CO2-Emissionen. Jeder Einzelne kann dazu beitragen, indem er den eigenen CO2-Fußabdruck verringert. Weniger Autofahren, die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, Energiesparen im Haushalt und der bewusste Konsum von Fisch können schon im Kleinen etwas bewirken.
Langfristig sind globale Maßnahmen notwendig. Eine drastische Verringerung des CO2-Ausstoßes, nachhaltige Fischerei, der Schutz von Küstenregionen und der Verzicht auf großflächige Grundschleppnetzfischerei könnten den Ozeanen helfen, sich langfristig zu regenerieren.
Fazit
Die Ozeanversauerung ist ein stiller, aber mächtiger Gegner für das Gleichgewicht unserer Erde. Sie wird nicht ohne Grund als „böser Zwilling“ des Klimawandels bezeichnet. Ihre Auswirkungen betreffen nicht nur das Leben im Meer, sondern auch den Menschen, der auf gesunde Meere angewiesen ist. Wenn wir jetzt handeln und den Ausstoß von Kohlendioxid drastisch reduzieren, können wir die schlimmsten Folgen abmildern. Jeder Schritt in Richtung eines nachhaltigeren Lebensstils ist auch ein Schritt zum Schutz der Ozeane.





