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Scope-3-Emissionen berechnen: der Praxisleitfaden

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Inhaltsverzeichnis
Auf einen Blick
  • Scope-3-Emissionen sind alle indirekten Treibhausgas-Emissionen entlang der Wertschöpfungskette, vor und nach dem eigenen Betrieb.
  • Laut GHG Protocol steckt der Großteil der Unternehmensemissionen in Scope 3, oft ein Vielfaches von Scope 1 und 2.
  • Das GHG Protocol teilt Scope 3 in 15 Kategorien, acht vorgelagerte und sieben nachgelagerte.
  • Berechnet wird je Kategorie mit einer von vier Methoden: ausgabenbasiert, mengenbasiert, lieferantenspezifisch oder hybrid.
  • Für die CSRD ist Scope 3 Pflicht. Für viele kleinere Unternehmen wird es über Kundenanfragen zum Thema.

Scope-3-Emissionen berechnen heißt, alle indirekten Treibhausgas-Emissionen entlang der Wertschöpfungskette zu erfassen, die außerhalb des eigenen Betriebs entstehen. Dazu zählen eingekaufte Waren, Transporte, Geschäftsreisen und die Nutzung verkaufter Produkte. Das Greenhouse Gas Protocol ordnet diese Emissionen 15 Kategorien zu und beschreibt vier Methoden, um sie zu quantifizieren.

Dieser Leitfaden zeigt Schritt für Schritt, wie Sie die relevanten Kategorien bestimmen, Daten erheben und Ihre Scope-3-Bilanz aufbauen. Für die meisten Unternehmen liegt hier der größte Hebel im Klimaschutz. Wer die Zahlen kennt, findet Hotspots, erfüllt Berichtspflichten und reduziert gezielt. Stand ist Juli 2026.

15 Scope-3-Kategorien des GHG Protocol, vorgelagert und nachgelagert um ein Unternehmen

Was sind Scope-3-Emissionen?

Das Greenhouse Gas Protocol unterscheidet drei Bereiche. Scope 1 umfasst direkte Emissionen aus eigenen Quellen, etwa dem Fuhrpark oder der Heizung. Scope 2 betrifft die eingekaufte Energie, vor allem Strom und Fernwärme. Scope 3 sind alle übrigen indirekten Emissionen, die durch die Tätigkeit des Unternehmens entstehen, aber aus Quellen außerhalb seiner Kontrolle stammen. Das Umweltbundesamt zählt dazu zum Beispiel die Herstellung eingekaufter Rohstoffe und die Nutzung verkaufter Produkte.

Scope 3 teilt sich in vorgelagerte und nachgelagerte Emissionen. Vorgelagert ist alles, was vor dem eigenen Betrieb passiert, etwa Einkauf und Anlieferung. Nachgelagert ist alles danach, etwa Nutzung und Entsorgung der Produkte. Den Überblick über alle drei Bereiche gibt der Ratgeber zu Scope 1, 2 und 3. Für einzelne Produkte hilft der Product Carbon Footprint.

Warum Scope 3 den größten Hebel hat

Laut GHG Protocol stammt der Großteil der gesamten Unternehmensemissionen aus Scope-3-Quellen. Das CDP beziffert Scope 3 im Durchschnitt auf rund das Elffache der direkten Emissionen aus Scope 1 und 2. Wer nur den eigenen Betrieb bilanziert, übersieht damit den größten Teil seines Fußabdrucks.

Dazu kommt der regulatorische Druck. Die CSRD verlangt von berichtspflichtigen Unternehmen die wesentlichen Scope-3-Kategorien. Wer sich Science Based Targets setzt, braucht ein Scope-3-Ziel, sobald Scope 3 mehr als 40 Prozent der Gesamtemissionen ausmacht. Und viele kleinere Betriebe geraten über ihre Kunden unter Zugzwang, weil große Auftraggeber Emissionsdaten aus der Lieferkette anfragen. Den Rahmen dazu erklärt der Ratgeber zur CSRD-Berichterstattung.

Die 15 Scope-3-Kategorien im Überblick

Das GHG Protocol definiert 15 Kategorien, acht vorgelagerte und sieben nachgelagerte. Welche Kategorien zählen, unterscheidet sich von Unternehmen zu Unternehmen. Der erste Schritt jeder Berechnung ist deshalb, die relevanten Kategorien zu bestimmen.

Nr. Kategorie Bereich Typisches Beispiel
1 Eingekaufte Waren und Dienstleistungen vorgelagert Rohstoffe, Bauteile, Dienstleister
2 Kapitalgüter vorgelagert Maschinen, Gebäude, Fahrzeuge
3 Brennstoff- und energiebezogene Emissionen vorgelagert Vorkette von Strom und Kraftstoff
4 Vorgelagerter Transport und Verteilung vorgelagert Anlieferung durch Speditionen
5 Abfall aus dem Betrieb vorgelagert Entsorgung und Recycling
6 Geschäftsreisen vorgelagert Flüge, Bahnfahrten, Hotelübernachtungen
7 Pendeln der Mitarbeitenden vorgelagert Arbeitswege, Homeoffice
8 Vorgelagerte gemietete Sachanlagen vorgelagert angemietete Gebäude und Geräte
9 Nachgelagerter Transport und Verteilung nachgelagert Auslieferung an Kunden
10 Verarbeitung verkaufter Produkte nachgelagert Weiterverarbeitung durch Abnehmer
11 Nutzung verkaufter Produkte nachgelagert Stromverbrauch der Produkte im Einsatz
12 Entsorgung verkaufter Produkte nachgelagert Recycling und Deponie am Lebensende
13 Nachgelagerte gemietete Sachanlagen nachgelagert vermietete Flächen und Anlagen
14 Franchises nachgelagert Emissionen der Franchisenehmer
15 Investitionen nachgelagert finanzierte Emissionen, Beteiligungen

Orientierung in 15 Schritten

Scope-3-Relevanz-Check

Bewerten Sie die 15 Scope-3-Kategorien. Anschließend sehen Sie Ihre möglichen Hotspots und eine passende erste Berechnungsmethode.

Frage 1 von 15 7 %
Vorgelagert

Wie relevant ist diese Kategorie voraussichtlich für Ihr Unternehmen?

Der Check dient der ersten Priorisierung und ersetzt keine vollständige CO₂-Bilanz nach dem GHG Protocol.

Vier Methoden, um Scope 3 zu berechnen

Jede Kategorie folgt dem gleichen Grundprinzip: Aktivitätsdaten mal Emissionsfaktor ergibt die Emissionen. Ein Emissionsfaktor sagt, wie viel CO2-Äquivalent pro Einheit anfällt, etwa pro Euro Ausgabe, pro Kilogramm Material oder pro Kilometer. Wie genau das Ergebnis wird, hängt von der Methode ab.

Methode Datengrundlage Genauigkeit Wann sinnvoll
Ausgabenbasiert
spend-based
Ausgaben in Euro mal Faktor pro Euro grob Schneller Einstieg, erste Hotspot-Suche
Mengenbasiert
activity-based
physische Mengen (kg, kWh, km) mal Faktor mittel bis hoch Wenn Mengendaten vorliegen
Lieferantenspezifisch Primärdaten der Lieferanten hoch Für große Hotspots und enge Lieferantenbindung
Hybrid Kombination der Methoden hoch Große Bilanzen mit gemischter Datenlage
Praxis-Tipp

Starten Sie ausgabenbasiert, um schnell zu sehen, wo die großen Brocken liegen. Danach verfeinern Sie nur die zwei oder drei größten Kategorien mit Mengen- oder Lieferantendaten. So sparen Sie Aufwand und treffen trotzdem die Hotspots.

In sechs Schritten zur Scope-3-Bilanz

In der Praxis läuft eine Scope-3-Berechnung in sechs Schritten ab.

  1. Ziel und Grenzen festlegen. Bestimmen Sie Berichtsjahr, Organisationsgrenzen und Zweck, etwa CSRD, Science Based Targets oder Kundenanfragen.
  2. Relevante Kategorien screenen. Prüfen Sie alle 15 Kategorien und wählen Sie die wesentlichen aus. Größe, Einfluss und Datenverfügbarkeit geben den Ausschlag.
  3. Daten erheben. Sammeln Sie Ausgaben, Mengen, Kilometer und Kilowattstunden aus Buchhaltung, Einkauf und von Lieferanten.
  4. Methode je Kategorie wählen. Ordnen Sie jeder Kategorie eine der vier Methoden zu, passend zur Datenlage.
  5. Emissionsfaktoren anwenden und rechnen. Multiplizieren Sie die Aktivitätsdaten mit passenden Faktoren und summieren Sie je Kategorie.
  6. Prüfen, dokumentieren, reduzieren. Kontrollieren Sie die Ergebnisse, halten Sie Annahmen fest und leiten Sie aus den Hotspots Maßnahmen ab.

Kostenlose Vorlage: Scope-3-Erfassungsraster

Alle 15 Kategorien mit Spalten für Relevanz, Methode, Datenquelle und Status. Ideal, um die Datenerhebung zu strukturieren.

Vorlage herunterladen

Woher die Emissionsfaktoren kommen

Emissionsfaktoren stammen aus anerkannten Datenbanken. Für den Einstieg eignen sich die ausgabenbasierten Faktoren aus EXIOBASE. Für mengenbasierte Rechnungen liefern ecoinvent, die DEFRA-Faktoren aus Großbritannien und die ProBas-Datenbank des Umweltbundesamts belastbare Werte. Das GHG Protocol stellt mit dem Scope 3 Evaluator ein kostenloses Werkzeug für eine erste grobe Schätzung bereit. Die Regeln dahinter beschreibt die Scope 3 Calculation Guidance des Greenhouse Gas Protocol.

Achtung: drei häufige Fehler

Erstens dauerhaft bei ausgabenbasierten Werten bleiben, statt die Hotspots zu verfeinern. Zweitens Kategorie 11, die Nutzung verkaufter Produkte, unterschätzen, obwohl sie bei vielen Herstellern die größte Position ist. Drittens Emissionen doppelt zählen, wenn sich Kategorien überschneiden. Sauber dokumentierte Annahmen beugen dem vor.

PLANT-MY-TREE als Partner für Ihre CO2-Bilanz

PLANT-MY-TREE begleitet Unternehmen bei der CO2-Bilanzierung über alle drei Scopes. Wir screenen Ihre Scope-3-Kategorien, erheben die Daten gemeinsam mit Ihnen und rechnen nach dem GHG Protocol. Daniel Köhler und sein Team aus Essen arbeiten seit über 20 Jahren in der Aufforstung und in der Klimaberatung.

Aus den Ergebnissen wird ein Plan. Emissionen, die sich kurzfristig senken lassen, reduzieren Sie zuerst. Für den Rest bieten wir den Ausgleich über Baumpflanzungen auf den dauerhaft geschützten Stiftungs- und Kooperationsflächen von PLANT-MY-TREE an. Jede Fläche ist über die Stiftung 99 Jahre geschützt, vom TÜV Rheinland geprüft und für Sie begehbar. Details zeigt die Seite zur Transparenz.

Scope 3 berechnen mit klarem Plan

Wir führen Sie von den Hotspots bis zur fertigen CO2-Bilanz nach dem GHG Protocol, über alle drei Scopes.

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Häufige Fragen zu Scope-3-Emissionen

Was sind Scope-3-Emissionen?

Scope-3-Emissionen sind alle indirekten Treibhausgas-Emissionen entlang der Wertschöpfungskette eines Unternehmens, die außerhalb des eigenen Betriebs entstehen. Dazu zählen eingekaufte Waren, Transporte, Geschäftsreisen und die Nutzung verkaufter Produkte.

Wie berechnet man Scope-3-Emissionen?

Man bestimmt die relevanten der 15 Kategorien, erhebt Aktivitätsdaten wie Ausgaben, Mengen oder Kilometer und multipliziert sie mit passenden Emissionsfaktoren. Je Kategorie kommt eine ausgabenbasierte, mengenbasierte, lieferantenspezifische oder hybride Methode zum Einsatz.

Wie viele Scope-3-Kategorien gibt es?

Das Greenhouse Gas Protocol definiert 15 Kategorien, acht vorgelagerte und sieben nachgelagerte.

Was ist der Unterschied zwischen vorgelagerten und nachgelagerten Emissionen?

Vorgelagerte Emissionen entstehen vor dem eigenen Betrieb, etwa bei Einkauf und Anlieferung. Nachgelagerte Emissionen entstehen danach, etwa bei Nutzung und Entsorgung der verkauften Produkte.

Ist Scope 3 für Unternehmen verpflichtend?

Für Unternehmen unter der CSRD sind die wesentlichen Scope-3-Kategorien Pflicht. Viele kleinere Unternehmen berichten freiwillig, oft weil Kunden Emissionsdaten aus der Lieferkette anfragen.

Welche Scope-3-Kategorie ist meist am größten?

Das hängt von der Branche ab. Bei Herstellern dominiert oft Kategorie 11, die Nutzung verkaufter Produkte. Bei Handel und Dienstleistern ist es meist Kategorie 1, die eingekauften Waren und Dienstleistungen.

Quellen
Greenhouse Gas Protocol, Corporate Value Chain (Scope 3) Accounting and Reporting Standard, 2011, sowie Scope 3 Calculation Guidance.
Umweltbundesamt, Glossar „Scope 3 THG-Emissionen“, 2026.
CDP, Auswertung zu Scope-3-Emissionen in Lieferketten, 2022.
Science Based Targets initiative (SBTi), Corporate Net-Zero Standard.

Stand: Juli 2026. Fachlich verantwortet von Daniel Köhler, zuständig für CO2-Bilanzierung, Klimastrategie, CSRD und ESG bei PLANT-MY-TREE.

Über den Autoren:

PLANT-MY-TREE® ist der führende Anbieter von Baumspenden in Deutschland. In den letzten Jahren wurden durch PLANT-MY-TREE® über drei Millionen Bäume für den Klimaschutz gepflanzt.

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